Atmung kann viel – aber keine schlechte Organisation reparieren
- Andreas Bauer

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Es braucht Klarheit: Breathwork ist ein kraftvolles Werkzeug der Selbstführung. Doch es ist kein Ersatz für funktionierendes Organisationsdesign, klare Rollen oder stabile Prozesse. In vielen Unternehmen entsteht genau dieser Eindruck – als könne innere Arbeit das ausgleichen, was im Außen nicht gut gestaltet ist. Du musst nur Dein Mindset ändern.
Das ist nicht nur unrealistisch, sondern auch eine unfaire Vermischung zweier völlig unterschiedlicher Ebenen. Zugegeben, auch die Coaching-Branche hat durch ihre überzogenen Versprechen zu diesen Erwartungen beigetragen.
Zwei Ebenen – zwei Werkzeuge
In den alltäglichen Diskussionen, auch hier auf LinkedIn, geraten der individuelle und der organisationale Ansatz schnell durcheinander - oder werden bewusst gegeneinander ausgespielt. Dabei erfüllen sie völlig verschiedene Aufgaben:
1. Die individuelle Ebene – Atmung, Coaching, Selbstregulation
Sie unterstützt den einzelnen Menschen dabei, präsent, klar und handlungsfähig zu bleiben – selbst unter Druck.
2. Die organisationale Ebene – Struktur, Führung, Design, Prozesse
Sie gestaltet den Rahmen, in dem Arbeitsfähigkeit entsteht: Rollen, Verantwortlichkeiten, Strukturen, Entscheidungswege, Prioritäten.
Beide Ebenen sind wichtig. Beide haben ihre Berechtigung. Und beide funktionieren immer dann am besten, wenn sie bewusst auf den Zweck der Organisation hin gestaltet werden.
Wenn strukturelle Themen individualisiert werden
Ein Muster zeigt sich immer wieder: Belastungen, die eigentlich aus fehlender Klarheit, widersprüchlichen Anforderungen oder kulturellen Dysfunktionen entstehen, werden als individuelle Herausforderung interpretiert.
Stress wird zum persönlichen Problem erklärt, nicht zur Folge unklarer Prioritäten.
Überforderung erscheint als Mangel an Resilienz, nicht als Ergebnis struktureller Lücken.
Konflikte werden psychologisiert, statt organisational geklärt.
Innere Stärke ist wichtig, keine Frage. Aber sie ersetzt keine organisatorische Verantwortung.
Was Breathwork wirklich leistet
Breathwork soll nicht beruhigen, damit schwierige Umstände erträglicher werden. Es soll stärken, damit Entscheidungen bewusst und souverän getroffen werden können.
Breathwork ermöglicht:
Präsenz statt Reaktivität
innere Stabilität in komplexen Situationen
klare Kommunikation
Zugang zu Kreativität und Lösungsorientierung
die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, wenn es notwendig ist
Atmung schafft Handlungsfähigkeit – nicht Harmonie, wo keine ist. Sie ist ein Werkzeug der inneren Führung, kein Ersatz für äußere Strukturen.
Was Organisationen leisten müssen
Eine stabile Organisation braucht klare Orientierung:
nachvollziehbare Entscheidungswege
eindeutige Rollen und Verantwortlichkeiten
Prioritäten, die realistisch sind
Prozesse, die Zusammenarbeit unterstützen
eine Kultur, die Konflikte austrägt statt verdrängt
Diese Aufgaben lassen sich nicht an die Selbstregulation der Mitarbeitenden delegieren. Äußere Struktur bleibt äußere Struktur. Innere Stärke bleibt bleibt Atmung. Die beeinflussen sich gegenseitig, sind aber dennoch getrennt zu gestalten.
Das Zusammenspiel macht den Unterschied
Breathwork und Organisationsdesign sind keine Konkurrenten, sondern Partner. Das eine stärkt den Menschen, das andere das System. Erst wenn beides zusammenspielt, entsteht echte Wirksamkeit – individuell wie organisatorisch.
Innere Stärke durch Breathwork macht Menschen handlungsfähig. Organisationsdesign macht Organisationen zukunftsfähig.







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