Dynamisches Gleichgewicht - die Kunst des stabilen Kerns.
- Andreas Bauer

- vor 22 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Bei meinem Urlaub an der französischen Küste hatte ich immer wieder die Gelegenheit, Wellenreiter*innen, Windsurfer*innen und Kite-Surfer*innen bei ihren Manövern zuzusehen. Und als ich sie so beobachtete, kam mir der Gedanke, dass hierin vielleicht auch ein Ansatz für unseren hektischen, getriebenen und teils überfordernden Arbeits-Alltag steckt.
Trotz stetig heran rauschender, teils starker Wellen blieben die Surfer*innen (zumindest die, die es schon konnten) auf ihren Brettern ganz ruhig. Oder habt ihr schon einmal Surfer*innen hektisch auf ihren Brettern hin und her laufen sehen?
Wahrscheinlich nicht. Denn Stabilität im Surfen entsteht weder durch Starre noch durch hektische Bewegung. Surfer*innen passen sich kontinuierlich an die Wellen an, verlieren dabei aber nie ihren Schwerpunkt.
Und das, finde ich, ist doch ein ganz schöner Ansatz für unseren Arbeits-Alltag: trotz all der Wellenbewegungen, Strömungen und Widrigkeiten ruhig zu bleiben und einen stabilen Schwerpunkt zu behalten.
In Organisationen erlebe ich häufig starke Pendelbewegungen zwischen Extremen, besonders, wenn die Zeiten unsicher sind und das eigene Geschäftsmodell in Frage steht: Kontrolle oder Vertrauen, Geschwindigkeit oder Gründlichkeit, Harmonie oder Konfrontation, People-Orientierung vs. Leistung. Hier werden zum einen Widersprüche aufgemacht, die keine sein müssen. Außerdem entsteht durch diese Orientierung an Trends und Extremen sehr viel Energieaufwand und Bewegung. Das ist so, als wenn man als Surfer, ständig vom vorderen zum hinteren Ende des Surfbretts rennen würde, in der Hoffnung, so nicht ins Wasser zu fallen. Durch das Gerenne wird das Brett aber in der Regel noch instabiler, die eigene Muskulatur ermüdet schneller und so erreicht man vermutlich genau das Gegenteil.
Für Führung bedeutet das, einen stabilen Kern zu entwickeln, um den herum sie ein dynamisches Gleichgewicht halten kann, also flexibel auf veränderte Bedingungen zu reagieren, ohne dabei die Orientierung zu verlieren. Wie ein Surfer auf den Wellen bewegt man sich ständig, aber immer dosiert und rund um einen stabilen Kern.
Dieser Kern besteht nach meiner Erfahrung aus drei Elementen:
aus fundiertem, wissenschaftlich gesichertem Wissen, das hilft, Situationen einzuordnen und fundierte Entscheidungen zu treffen
aus einer konsitenten Ethik, die als innerer Kompass Orientierung geben kann
aus einer attraktiven Zielidee, die Richtung gibt und Sinn vermittelt
Wer über einen solchen Kern verfügt, muss nicht in Extremen denken. Er kann situativ entscheiden, wann mehr Struktur notwendig ist und wann mehr Freiraum sinnvoll wird. Wann Zuhören gefragt ist und wann eine klare Position. Wann Risiken eingegangen werden sollten und wann Sicherheit Vorrang hat.
Die Qualität dieser Führung entsteht dann nicht aus Starrheit oder Aktionismus, sondern aus der Fähigkeit, sich bewusst um einen stabilen Mittelpunkt zu bewegen.
Praxistipp: Die Surfbrett-Reflexion für dynamisches Gleichgewicht
Nimm Dir zehn Minuten Zeit und stelle Dir vor, Du stehst auf einem Surfbrett.
Definiere Deinen Schwerpunkt: Welches Wissen gibt Dir Sicherheit? Welche ethischen Grundlagen sind für Dich nicht verhandelbar? Welche Zielidee gibt Deinem Handeln Richtung?
Betrachte eine aktuelle Herausforderung: Zwischen welchen Extremen bewegst Du Dich gerade? Wo stehst Du aktuell auf einer Skala zwischen diesen Polen?
Stelle dir die entscheidende Frage: Laufe ich gerade hektisch auf meinem Surfbrett hin und her, um Stabilität zu finden?
Leite eine kleine Kurskorrektur ab: Notiere einen konkreten Schritt, den Du in den nächsten Tagen umsetzen willst, wenn Du mehr Stabilität suchst.
Meist sind es kleine, bewusste Anpassungen rund um einen stabilen Schwerpunkt, die uns auf Kurs halten.
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