Psychologische Sicherheit im Team

Eine Luftnummer aus der New Work Bubble oder eine Voraussetzung für gelingendes Teamwork?



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Psychologische Sicherheit ist ein Begriff, der in den letzten Monaten immer häufiger in Artikeln und Posts auftaucht. Wie so häufig wird der Begriff dabei zunehmend mit Bedeutung überfrachtet, da er mit immer weiteren Aspekten und Forderungen angereichert wird. Der ursprüngliche, wissenschaftlich gestützte, klar abgegrenzte Begriff der psychologischen Sicherheit wird bei seiner Verwendung, besonders in den sozialen Medien, zu einer Wortwolke aufgeblasen. Er wird zu einem Synonym für rundum glücklich, feel good oder well being. So aufgeladen, wird der Begriff leider sehr unscharf und ist damit nicht mehr gut zu verwenden. Diese Aufladung zieht natürlich Kritik nach sich. Diese Kritik geht zum Teil soweit, dass sie psychologische Sicherheit in Teams als überflüssige Modeerscheinung abtut. Noch so eine Luftnummer aus der New Work Bubble, die mit der Realität in Unternehmen nicht viel zu tun hat und von den eigentlich notwendigen Transformationsthemen nur ablenkt.


In den Artikeln, die ich im Laufe der nächsten Wochen veröffentlichen werde, möchte ich meine Sicht auf psychologische Sicherheit in Teams mit Euch teilen. In diesem Artikel werde ich kurz und knapp darstellen, was es ist. Und was nicht. In den darauf folgenden Artikeln werde ich einige Hinweise geben, warum es sich für Unternehmen möglicherweise doch lohnt, das Thema einmal ernsthaft zu beleuchten.


Fangen wir also mit dem an, was psychologische Sicherheit ist. Bei meinen Erläuterungen beziehe ich mich auf die Arbeiten von Amy C. Edmondson*, Professorin für Leadership und Management an der Harvard Business School. Sie erforscht mit Ihrem Team dieses Phänomen seit vielen Jahren und hat klar umrissen, worum es dabei geht. Ihre Erkenntnisse und Beschreibungen habe ich in meiner Arbeit als Teamentwickler und Coach immer wieder beobachten und überprüfen können. Sie haben sich als in der Praxis sehr belastbar und hilfreich erwiesen.



Psychologische Sicherheit bedeutet,...


Nach Amy C. Edmondson beschreibt psychologische Sicherheit ein Klima,...

  1. ...in dem sich Menschen gerne ausdrücken und mit ihrem Wissen und ihrer Meinung sichtbar werden. Sie haben keine Angst vor Beleidigung oder Vergeltung, wenn sie kritische Themen ansprechen.

  2. ...in dem Menschen auch Bedenken und kritische Fragen einbringen, wenn es darum geht, Fehler zu vermeiden, Fehlentwicklungen zu verhindern und notwendige Kurskorrekturen für eine erfolgreiche Zukunft einzuleiten.

  3. ...in dem Menschen daran glauben, dass das Arbeitsumfeld sicher genug ist, um das zwischenmenschliche Risiko der kritischen Auseinandersetzung einzugehen.

  4. ...in dem Menschen Fragen stellen, die zunächst einmal ihr Nichtwissen sichtbar machen. So wollen wirklich von den Anderen lernen und besser werden. Nichtwissen wird in einem Umfeld psychologischer Sicherheit nicht als Schwäche gebrandmarkt.

  5. ...in dem Menschen auch Ideen und Ansätze, die noch nicht bis ins Detail durchdacht sind, im Team transparent machen, um daran gemeinsam weiterzuarbeiten.

Dabei ist es egal, ob die Teammitglieder miteinander interagieren, oder mit ihrer Führungskraft.



Psychologische Sicherheit bedeutet nicht,...

  1. ...immer nett sein zu müssen. Vielmehr geht es um die Möglichkeit eines produktiven Nicht-Einverstanden-Seins. Teams mit einer hohen psychologischen Sicherheit sind konfliktfähig statt konfliktfrei. Sie sind in der Lage, um beste Lösungen zu streiten und schwierige Situationen kommunikativ aufzulösen, ohne auf die persönliche Ebene abzurutschen.

  2. ...wegsehen oder schweigen, wenn Dinge nicht richtig laufen. In Teams mit einer hohen psychologischen Sicherheit hat Handeln immer Konsequenzen – positive wie negative. Die Konsequenzen zielen aber nie auf die Abwertung oder Ausgrenzung einer Person ab. Sie zielen darauf ab, ein bestehendes Problem zu lösen und die Teammitglieder besser zu machen.

  3. ...nach dem leichtesten Weg zu suchen oder sich weg zu ducken. Teams mit einer hohen psychologischen Sicherheit sind sich ihrer Verantwortung und ihres Beitrages bewusst. Sie wollen dieser Verantwortung gerecht werden und tun alles, um das Tag für Tag sicherzustellen.

Es wird selbst bei dieser kurzen und knappen Darstellung bereits deutlich, das psychologische Sicherheit im Team keine Modeerscheinung oder ein Nice-to-have ist. Vielmehr ist sie die Grundlage gelingender Zusammenarbeit.



Ausblick

Mit diesem Artikel habe ich mein Verständnis von psychologischer Sicherheit dargestellt, mit dem Ziel, mich von vielen überladenen Definitionen abzugrenzen. Hierauf aufbauend werde ich in den kommenden Wochen weitere spannende und wichtige Aspekte der psychologischen Sicherheit beleuchten. Hier ein kleiner Ausblick….


In meinen nächsten Artikeln werde ich darstellen,…


1. ...für wen es sinnvoll ist, sich damit auseinanderzusetzen.

2. ...woran man erkennt, dass psychologischen Sicherheit fehlt

3. ...warum sie so wichtig ist und wie sich ihre Fehlen auswirken kann

4. ...was es mit Menschen macht, wenn sie fehlt

5. …



*Zur Vertiefung des Themas empfehle ich Amy C. Edmondson: The fearless organization (John Wiley & Sons, New Jersey, 2019)

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