Neu, aber noch nicht normal!

Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit als Ausnahmezustand.


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In vielen Beiträgen ist zu lesen, dass Corona der Digitalisierung einen mächtigen Schub gegeben und Unternehmen in Sachen Homeoffice und virtueller Zusammenarbeit „zwangsbeschleunigt“ hat. Plötzlich sind Dinge möglich, die ohne Corona vermutlich noch jahrelang von vielen Bedenkenträgern aufgeschoben worden wären – die nun durchaus berichten, dass das ja doch erstaunlich gut funktioniert.

Woran liegt es, dass diese gravierende Veränderung plötzlich so „einfach“ möglich war? Haben wir die emotionale Change-Kurve also alle in Rekordzeit durchlaufen?

Change-Kurve nach Kübler-Ross

Dauerhafte Veränderung oder krisenhaftes Ereignis

Als die Corona-Krise Deutschland erfasste, waren die Unternehmen erstaunlich schnell bereit und in der Lage, alte Vorbehalte beiseitezuschieben und sich auf die digitale und virtuelle Zusammenarbeit einzulassen. Zum einen, weil es nicht anders ging und zum zweiten, weil sie es als zeitlich begrenzte Ausnahme begriffen. In diesem Zustand befinden sich Unternehmen, trotz der mittlerweile sechsmonatigen Ausnahmesituation, immer noch. Die Hoffnung, zum alten Normal zurückzukehren, ist häufig spürbar. Sie fremdeln mit leeren Büros, der Abwesenheit von Mitarbeiter*innen und fehlender Kontrolle, ob diese nun wirklich arbeiten oder nicht. In einigen Unternehmen wird bereits darüber diskutiert, wann die Mitarbeiter*innen denn nun wieder zurückkommen. Auch bei den Mitarbeiter*innen gibt es neben denen, die ganz begeistert von der neuen Freiheit sind, auch viele, die sich den alten Zustand zurückwünschen. Die Situation, das neue Normal, wird nur als Zwischenzustand aufgrund eines krisenhaften Ereignisses und nicht als dauerhafte Veränderung wahrgenommen. Entsprechend leicht fällt es den meisten (noch!), sich in die Situation einzufinden. Wer allerdings glaubt, dass die Betroffenen nun die Veränderungskurve emotional durchschritten hätten und die Veränderung somit durchlebt sei, der irrt sich.

Veränderung als Resultat einer bewussten Entscheidung

Jede Veränderung in einem Unternehmen setzt voraus, dass die Verantwortlichen eine Entscheidung treffen und diese dann konsequent umsetzen. Diese Entscheidung steht aber in vielen Unternehmen noch aus. Was passiert nach Corona? Welche Bedeutung wird die digitale und virtuelle Zusammenarbeit und das Homeoffice dann noch haben? Soll diese Art der Zusammenarbeit verstetigt werden und wenn ja, wie? Erst wenn die Geschäftsführungen eine bewusste Entscheidung getroffen haben, welche die Krise überdauert und eben nicht mehr umkehrbar ist, dann wird ein tiefergehender Veränderungsprozess in Gang gesetzt. Die eigentliche Dynamik einer Veränderung steht also erst noch bevor und das heißt für viele Betroffene: zurück auf Anfang in der Change-Kurve. Egal ob diese Entscheidung dann pro oder contra Homeoffice ausgeht, es wird immer eine Gruppe derer geben, die sich die Entscheidung anders gewünscht hätten. Und selbst die Gruppe, welche die Entscheidung unterstützt, wird sehr genau darauf achten, ob die Fehler und Stolpersteine der Vergangenheit aus dem Weg geräumt werden und wie das Thema genau umgesetzt wird. Der eigentliche Change kommt also erst noch.

Drei entscheidende Schritte

Damit er gelingen kann braucht es einen bewussten Umgang mit der Situation.

Drei Schritte sind von zentraler Bedeutung:

1. Eine klar kommunizierte Entscheidung, wie das Thema digitale und virtuelle Zusammenarbeit und Homeoffice dauerhaft verankert werden soll.

2. Die Situation in der Corona-Krise sollte als vorweggenommener, ungeplanter Pilot gesehen werden. Erfolgsfaktoren, Stolpersteine und unerwünschte Entwicklungen sollten herausgearbeitet und bei der dauerhaften Verankerung berücksichtigt werden.

3. Es braucht einen Change-Prozess, damit die dauerhafte Verankerung im Unternehmen gelingt. Denn mit der Entscheidung der Geschäftsführung springen viele Betroffene in der Change-Kurve wieder auf Anfang. Der Change passiert auch in Krisenzeiten leider nicht von selbst. Er muss bewusst gestaltet werden.

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